Mittwoch, 17. Juni 2015

Tag 4

Dienstagmorgen um 6 Uhr in der Hotellobby. Wieder Ladeprobleme: Es gibt zwar Kaffee (Hallooooo, wach werden!), aber das Frühstück ist noch nicht fertig. Wenigstens die Akkus unseres eT2 sind randvoll. Als wir ihn von der Steckdose nehmen, hat er einmal ganz satt und zufrieden gerülpst. Auf dem Weg nach Darmstadt (130 Kilometer) machen wir das Fenster auf, damit der Fahrtwind unsere knurrenden Mägen übertönt. Motorgeräusche haben wir dafür ja nicht. Wieder sind ein paar Fahrgäste aus dem Supportteam mit an Bord. Darum sagt man auch Kleinbus zum Bulli. Vielleicht sollten wir Fahrkarten verkaufen.
Bei der ersten Ladepause in Darmstadt gibt’s endlich leckere Brötchen und eine sehr nette Begegnung: Beim Empfang auf dem Carolinenplatz kommt plötzlich der Fahrer eines Wohnmobils auf uns zu, stellt sich vor als Dorstener. Ein pensionierter Lehrer der Gesamtschule Wulfen. Er hätte in der Dorstener Zeitung von unserem Bulli-Projekt mit arbeitslosen Jugendlichen und von der Teilnahme an der Wave Trophy 2015 gelesen und hätte jetzt darauf geachtet, ob er uns auf der Strecke irgendwo treffen kann. Denn einige seiner früheren Schüler hätten bei uns eine Qualifizierung gemacht und danach oft Lehrstelle oder Job gefunden. “Wie gut, dass es die Dorstener Arbeit gibt”, sagt er.

Und: In Darmstadt konnten wir unsere Batterien endlich mal mit 32 Ampere laden. Das geht schneller und war für uns die erste Möglichkeit, einen selbst gebauten Adapter zu testen. Wie unser Bulli: Er funktioniert. Am Mittag geht’s weiter nach Karlsruhe, Empfang an der Uni am Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT (witzig: Wer sich an die kultige Fernsehserie Knight Rider erinnert, der erinnert sich auch an das Auto KITT). Auch hier laden wir nochmal kurz auf. Obwohl uns die Reichweite des eT2 selbst überrascht: Wir nehmen jedes Ampere mit, das wir kriegen können.
Zwei Tests haben wir heute absolviert. Beim Technischen Komfort gab’s leider nur wenige Punkte: Kein Schiebedach, keine Klimaanlage, keine Sitzheizung, kein Rückfahrwarner. Es tat dem Prüfer sichtbar leid, dass er uns wenige Punkte geben konnte. Ist aber nicht schlimm. Dafür haben wir ein Auto mit Flair. Für unsere Gimmicks gab’s dafür Bestnoten: Die bequemen Sitze, die Tischchen hinten im Bus. Darum fahren alle so gerne mit uns . . .
Nach kurzem Stau erreichen wir gegen 17 Uhr Freiburg. Und haben damit die Königsetappe von Berlin bis ins Dorf Anwil jenseits der Schweizer Grenze (1000 Kilometer in 40 Stunden) fast geschafft. Die Berge sind schon zu sehen. Von Anwil fahren wir am Abend aber ein kurzes Stück zurück auf die deutsche Seite. Auf einem Schloss werden wir heute übernachten. Auf einem Schloss! Eine königliche Schlummerpause auf der Königsetappe. Das ist doch mal verdient.
Auf die nächsten beiden Tage freuen wir uns besonders. Morgen und übermorgen besuchen wir bei den Ladepausen Schulen und sollen den Kindern und Jugendlichen dort unseren Bulli und das Projekt dahinter vorstellen. Die Punkte dafür gibt’s nicht von den Organisatoren, sondern von den Schülern. Wir können ganz sicher eine gute Geschichte erzählen . . .



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