Montag, 15. Juni 2015

Tag 2

Es ist Sonntag, 19.45 Uhrund wir sind noch nicht am Ziel, das heute Magdeburg heißt. Knapp 150 Kilometer liegen noch vor uns mit kaum noch Strom im Tank. Und um 22 Uhr macht angeblich das Hotel zu. So wird die Wave zum Abenteuer. Hoffentlich liegt keine Nacht im Bulli vor uns . . .
Angefangen hat der Tag prima. Start in Bitterfeld, mit vollem Akku ging es in die alte Lutherstadt Wittenberg. Mit drei anderen Fahrzeugen aus dem Teilnehmerfeld wurde unser eT2 ausgewählt, an “Luthers Hochzeit” teilzunehmen.
Das ist ein Riesenspektakel in Wittenberg, mit Mittelaltermarkt, Schauspiel und Musik. Vier Stunden haben wir hier verbracht und viele gute Gespräche geführt. Wenn wir den Leuten erzählen, dass Jugendliche unser Fahrzeug restauriert haben, dann waren die Zuhörer alle hin und weg. Es ist toll zu sehen, wie das Ergebnis dieser großartigen Arbeit den Menschen Freude macht.
Michael Prinz, im Hauptberuf katholischer Pfarrer und Präses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB im Bistum Münster, macht am Rande noch einen Gag zur Lutherstadt: “So wie Luther versucht hat, die Kirche zu reformieren – so versuchen wir, den Straßenverkehr zu reformieren”, scherzt er. Da ist was dran. In einer immer noch von Benzin geprägten Autowelt sind die 90 Teilnehmer der Wave Pioniere. Und wir sind stolz, dass wir dabei sein dürfen.
Weil wir mit unserem Equipment einem Tesla geholfen haben, konnten wir selber leider nicht laden – und haben uns auf den Weg nach Berlin gemacht, in der Hoffnung dort laden zu können. Und dort – war Chaos. In der Bundeshauptstadt gab’s heute eine Sternfahrt des Fahrradclubs ADFC und irgendeine Demo, gesperrte Autobahnen und jede Menge Staus. 
Keine guten Bedingungen für ein Elektroauto mit wenig Saft im Akku.

In Berlin ging es zu Tesla, dort gab es ein BBQ und Strom. Aber nach zehn Minuten fiel dort der Strom für die langsam ladenden Fahrzeuge aus und das BBQ verspätete sich.
In dem Zustand – also reichlich ungeladen und hungrig, sind wir jetzt auf dem Weg nach Magdeburg.Michael Prinz sitzt am Steuer und fährt sehr, sehr sparsam. Tempo 70, immer die Restenergieanzeige im Blick, möglichst im Windschatten eines Lasters. Zum Glück ist der Landstrich ziemlich flach. Wenn wir nicht so viele energiefressende Steigungen bewältigen müssen, sollte es rechnerisch klappen.
Um kurz nach 23 Uhr ist Tag zwei der Wave-Trophy dann endlich auch für uns geschafft. Wir sind in Magdeburg angekommen. Und sind stolz auf die Reserven, die unser eT2 auf den knapp 340 Kilometern Tagesstrecke aus sich heraus geholt hat.

Er ist halt wie sein kleiner Bruder, der Käfer (nur sehr viel moderner): Er läuft und läuft und läuft . . .

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